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20.09.2015 | Blog: Br. George Francis | Autor/in: Br. George Francis Xavier | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Bettag   

Letzten Monat habe ich meine Ferien in Indien verbracht. Die meisten meiner Freunde und Verwandten wollten unbedingt wissen, was ich aus der Schweiz an Geschenke mitbringe. Sie erwarteten Schweizer Schokolade, Schweizer Messer, Schweizer Uhren, usw. Sicher nahm ich ein bisschen Schokolade mit aber nicht alle teuren Sachen. Es ist zu teuer und unerschwinglich für mich allen meinen Freunden etwas von hier zu schenken. Darum sagte ich, dass ich aus der Schweiz die so genannte «Swissness» als Geschenk mitgebracht hätte. Dies ist das beste Geschenk, das ich Indern geben kann und darf. Was genau ist sie? Präzision, Perfektion und Pünktlichkeit, Menschlichkeit, Respekt vor Frauen, Respekt vor anderen Kulturen und Sprachen und vor allem die Tradition der direkten Demokratie, der Konkordanz und des Föderalismus.

Als ein Nicht-Schweizer schätze ich die Schweizer-Identität sehr hoch. Die Schweiz ist ein Land, das mehr als jedes andere Land tut, um die Souveränität des Volkes in einer multi-ethnischen, mehrsprachigen und multikonfessionellen Gesellschaft zu verkörpern. Es wird oft als eine halb-direkte Demokratie gekennzeichnet. Auch wenn das Parlament etwas beschliesst oder Gesetze macht, können die Vorlagen von der Bevölkerung in einer Abstimmung überprüft werden. Die Macht der Volksabstimmung und Volksinitiativen sind ohne vergleichbares in dieser Welt. Das Volk hat das letzte Wort bei allen Verfassungsänderungen, bei allen Gesetzen, die von der Regierung und dem Parlament vorgeschlagen und gesteuert werden, bei den meisten internationalen Verträgen, usw.

Es ist die Pflicht und die Verantwortung eines jeden von uns die geschätzten Werte der Schweizer Identität hochzuhalten, zu schätzen und zu fördern. Es ist wie Dostojewskis Aljoscha Karamasow, der sagt, «jeder von uns ist verantwortlich für alles und ich noch mehr». Aber das ist nicht immer der Fall. Wie z.B. bei Pilatus, der seine Hände in Unschuld gewaschen hat, als er in der Lage gewesen wäre, Verantwortung zu übernehmen und eine Entscheidung zu treffen. Als ich in Indien im Auto unterwegs war, hielt ich einmal Abfall in meiner Hand um ihn im nächsten Mülleimer zu entsorgen. Der Chauffeur wollte den Abfall zum Fenster rauswerfen. Dann sagte ich, müssen wir nicht einen Mülleimer finden? Unser Ministerpräsident beharrt auf einem sauberen Indien. Er sagte, dass in diesem Land mit 1,3 Milliarden Menschen, eine Person, wie ich nicht alles verändern kann.

Es ist wie bei Adam und Eva im Alten Testament, die ihre Verantwortung anderen übertragen haben. Wir alle sind verantwortlich für alles aber ich noch mehr. Im Evangelium fordert Jesus seine Jünger auf, das Essen für die Menschenmenge zu organisieren. Die Jünger erwidern ihm, dass sie selber von dem Dorf Essen finden sollen. Als Jesus auf seiner Forderung bestand, sagten die Jünger, dass es 300 Dinare koste für alle Essen zu kaufen. Jesus bat sie, das Essen welches sie bei sich hatten zu bringen.  Jesus lehrte seine Jünger, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Als Christen ist es unsere Pflicht unsere Verantwortung zu kennen und zu leben nach den Werten, die unsere Vorfahren aufrechterhalten haben.

Sonntag, 20. September 2015, 08:10