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22.03.2016 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Ein typischer Klostertag   

Wie sieht ein Tag im Kloster aus? Das werde ich immer mal wieder gefragt. Vor einer Weile bat mich jemand, einen Tag zu beschreiben:

Ein typischer Tagesablauf? Das ist gar nicht so einfach. Welcher Wochentag? Obwohl ich in den zeitlichen Gelübden die benediktinische Beständigkeit versprochen habe, erlebe ich «Wanderjahre». Ich studiere in Lugano Theologie, um in Zukunft im Kloster Priester zu werden. Jede Woche bin ich vier Tage lang im Tessin, zu Gast im Priesterseminar.

Freitags bin ich aber wieder ganz im Kloster– und froh, wieder in diese vertraute Realität einzutauchen. Um 5:30 stehe ich mit meinen Mitbrüdern das erste Mal auf der Empore unserer grossen Klosterkirche, zum Gebet von Vigil und Laudes. «Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund dein Lob verkünde». Über den Tag verteilt folgen noch über zweieinhalb Stunden lang Gotteslob und Gebet für so viele und vieles. Das «Ora» steht gemäss Benediktsregel im Zentrum. 

Um 8:30 stehe ich im Zimmer 35 unseres Gymnasiums: Freitagmorgen ist mein Schulmorgen. Ich unterrichte Naturlehre in den unteren Klasse. Vor dem Klostereintritt hatte ich Umweltnaturwissenschaften studiert, später das Lehrdiplom in Chemie und Biologie ergänzt. Mit meinem kleinen Pensum kann ich erste Praxiserfahrungen sammeln und die Schule kennenlernen. «Wie kann man chemische Stoffe unterscheiden und einteilen?»

Mittagsgebet und Mittagessen führen mich wieder in Kloster, Klausur und Stille. Die schweigende Mahlzeit mit Tischlesung ist wohltuend. Gespräch wird in der Zvieripause oder der «Rekreation» am Vorabend Platz haben.

Der Nachmittag bringt gemischte Aufgaben: Vielleicht etwas Organisation und Werbung für die Jugendangebote des Klosters. Oder für unsere App «Hora Benedicti» interessante Personen kontaktieren, um sie fürs Verfassen kurzer Kommentare zu Tagesabschnitten der Benediktsregel zu gewinnen.

Zwei schöne Momente am Vorabend: Ich gehe joggen, mit frischer Bergluft und tollem Panoramablick. Danach stimmt mich die «Lectio divina», also Lesung in der Bibel oder einem geistlichen Text, langsam in die Abendgebete ein. «In deiner Treue, die nicht wankt, sei Wächter auch in dieser Nacht» singen wir um 20 Uhr in der Komplet.

… Inzwischen hat sich mein Profil verschoben zum «Mönch als Vollzeitstudent – mit Nebenbeschäftigungen». Wie sieht das aus? Fortsetzung folgt.

Dienstag, 22. März 2016, 11:55



29.03.2015 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 2 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Zu Gast im Kloster   

«Gäste fehlen im Kloster nie» schrieb der Heilige Benedikt vor 1500 Jahren in seiner Regel (RB 53,16). Es gilt auch heute noch. Er betonte die Pilger. Heute sind es Leute, die sich mit ganz unterschiedlicher Motivation ein paar Tage ins Kloster begeben. Moderne Pilger? Konkret geht es so: Einer der Mönche ist als sogenannter «Gastbruder» Ansprechperson. Man kontaktiert ihn, bespricht den Zeitrahmen, prüft die Belegung – das Übliche. Die Zimmer: Ja, sie sind geheizt – danach wurde ich schon besorgt gefragt. Und sie sind auch sehr schön. Weil man nahe an der Realität des Männerklosters dran sein kann, ist diese Form des Gastseins bei uns nur für Männer möglich.

Anders als in einem Hotel: Dicke Klostermauern, ruhige Gänge, kein gängiges Unterhaltungsprogramm. Gegessen wird zusammen mit der Klostergemeinschaft, ohne zu sprechen, aber mit Tischlesung, mit den dazu nötigen formellen Abläufen, die einem aber erklärt und bald verständlich werden. Und man hat natürlich die Möglichkeit, an den Gebetszeiten teilzunehmen. Ab morgens 5:30 bis abends 20 Uhr. Ein gewisses Interesse dafür wird erwartet. Aber man hat auch viel Freiheit: Wenn die Mönche arbeiten, ruht der Gast aus, geht spazieren, fährt Ski, schreibt, liest, …

Das Angebot ist beliebt. Wir haben ständig mehrere Gäste. Ganz unterschiedliche. Junge und alte. Für ein paar Tage, für eine Woche. Es ist eine spannende Sache, gegenseitig: Gäste fühlen sich oft ein wenig «wie in einer anderen Welt». Sie finden Ruhe, Erholung und Bestärkung, sie denken nach, machen eine Standortbestimmung. Sie können beten und Gespräche führen. Vielleicht ist jemand auch mal in einer gewissen Krise. Ein Gast nannte es für sich «Burnout-Vorbeugung». Zu verrückt muss man sich das Ganze ausserdem nicht vorstellen: es gibt auch die gemütlich-geselligen Momente, an denen man Anteil nehmen kann; etwa Kaffeezeiten, Führungen, Spaziergänge, andere Gäste, usw.

Auch mir gefällt dieses Angebot des «Kloster auf Zeit» sehr. Wir treffen ganz unterschiedliche Leute. Es ergeben sich interessante Gespräche. Vielleicht ist es auch einmal etwas für Sie? Informieren Sie sich auf der Webseite des Klosters, das Sie interessiert. Noch eine Präzisierung: Vielerorts, auch bei uns, gibt es weitere Gastmöglichkeiten wie Seminare, Klausuren, Gruppenunterkunft, usw. – da sind auch Frauen willkommen und beim Essen darf gesprochen werden…

Sonntag, 29. März 2015, 16:48



04.02.2015 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Wie läuft im Kloster die Zeit?   

Endlich ein neuer Blogeintrag. Lange Zeit ist verstrichen. Höchste Zeit… Das nehme ich als Anlass, etwas über die Zeit nachzudenken. Wie stellen Sie sich den Klosteralltag vor? Manche Leute vermutlich recht «zeitlos». Eine idyllische Realität? Der bekannte Wiener Zisterzienserpater Karl Wallner formulierte es vor einiger Zeit an einem Vortrag humorvoll im Bild vom Mönch, der tagsüber friedlich durch den Garten streift, seinem Gemüse beim Wachsen zuschaut und über die Natur im Klostergarten entzückt ist. So nimmt er sein Kloster nicht wahr. Ich meines bisher auch nicht.

Sicher führen die dicken Klostermauern, die langen Gänge und die Ruhe beim Betreten des Klosters für viele automatisch zu einer Verlangsamung. Und vermutlich auch zum Eindruck einer gewissen Zeitlosigkeit. Wir haben viele Gäste, die ein paar Tage «Kloster auf Zeit» machen, Telefon und Laptop etwas weglegen – und Zeit haben. Zu hören bleiben vielleicht noch tickende Zeitnehmer, die da und dort in den Gängen stehen und feierlich die volle Stunde melden. Ausserdem natürlich die Kirchenglocke, welche sich rechtzeitig vor der nächsten «Gebetszeit» hörbar macht.

Nun ist ja aber auch das «ora et labora» weit bekannt. Mönche haben auch Arbeit. Etwa der alltägliche Betrieb: putzen, aufräumen, tischen, backen, Post holen, Büroarbeit. Oder, dem Heiligen Benedikt wichtig, aufmerksame Sorge für kranke und betagte Mitbrüder. Die Liturgie: Gottesdienste vorbereiten und Kirchen pflegen. Zentrale Aufgabe für uns ist das klostereigene Gymnasium, wo verschiedene Mönche unterrichten, in der Schulleitung sind oder auch indirekt unterstützen: etwa durchs Backen von Brot für die Mahlzeiten. Weitere klösterliche Aufgabe ist sodann Seelsorge in verschiedenen Formen. Man kann manchmal einiges zu tun haben.

Mich fasziniert aber genau hier das «geistliche Beruhigungspotential», das in unserem Alltag steckt. Egal was ist oder war, unser regelmässiges Psalmengebet in der Kirche ist nicht hektisch. Auch die strukturierten, schweigend eingenommen Mahlzeiten mit ihrer Tischlesung nicht. Und auch nicht die vorgesehenen persönlichen Zeiten für Lesung und Gebet. Oder unser Schweigen in den Gängen. Immer wieder staune ich und sehe es als Schatz dieser Lebensform, wie diese Elemente auch hektischere Arbeitsphasen beruhigen und erfüllen.

Mittwoch, 4. Februar 2015, 15:47



04.11.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Klöster und die digitale Welt   

Unser Kloster, Disentis, ist neu Anbieter einer «App» zur Benediktsregel für Smartphones (iPhone, Android). Tägliche Abschnitte der Regel, so wie wir sie lesen, sind ergänzt mit Gedanken von Mönchen und interessanten weltlichen Persönlichkeiten. Ich erlaube mir an dieser Stelle alle kurz zu grüssen, die diesen Blog durch die dortige Einbettung lesen. Beispiele für ähnliche Projekte: Das Kloster Einsiedeln pflegt auf Facebook eine ansprechende Seite eher für junge Menschen und eine für alle Alter, mit Neuigkeiten und Impulsen, zu aktuellen Feiertagen, usw. Das französische Kloster Le Barroux ermöglicht auf der Homepage das Mithören der Psalmen-Gebetszeiten via «Live-Stream«.

Der Heilige Benedikt hat über die Anlage eines Klosters festgehalten: «Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet […]. So brauchen die Mönche nicht draussen herumzulaufen, denn das ist für sie überhaupt nicht gut.» (Benediktsregel  66,7). Er fordert und schützt also das Kloster als Ort der Gottverbundenheit, in dem Gebet, geistliche Lesung und Stille im Zentrum stehen. Und einer gewissen «Absonderung». So folgt beim Eintreten ins Benediktinerkloster zuerst eine Zeit, wo man intensiv diese geistliche Seite einübt. Dabei wird der Medienkontakt reduziert, das Mobiltelefon weggelegt, E-Mail und Internet werden noch alle paar Wochen besucht.

«Labora», die Arbeit, gehört aber natürlich auch ganz selbstverständlich dazu. Soweit möglich eben «innerhalb des Klosters, nicht herumlaufend». Nebst der Sorge für Alltägliches haben Formen von Seelsorge, Dasein für Menschen, Gastfreundschaft Tradition. Die Kirche ist sich bewusst dass wir in einem digitalen Zeitalter leben: Papst Franziskus ermutigt zu Präsenz und schreibt selber regelmässig auf seinem Twitter-Kanal. Als ich kürzlich die Bodensee-Insel Reichenau besuchte, staunte ich, welche «mediale» Bedeutung dort im Mittelalter die klösterlichen Schreibwerkstätten hatten (vgl. Bild). Und auch der Heilige Benedikt sah schon vor 1500 Jahren Schreibtafeln als Ausrüstung vor.

So finde ich auch diese Initiativen interessante, erfreuliche Aufgaben. Aufmerksam, dass man nicht unbedacht «digital draussen herumläuft»: Auch diese «Pforten» lassen sich regelmässig schliessen.

Dienstag, 4. November 2014, 06:30



02.09.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Wallfahrtsfest mit Schwestern und Brüdern   

Wir feierten kürzlich «Mater misericordiae», auf zugleich gewohnte und ungewöhnliche Weise: Wie es Tradition ist, wurde ein feierlicher Gottesdienst zu Ehren der in Disentis verehrten «Mutter der Barmherzigkeit» am Sonntag nach Maria Himmelfahrt begangen. Aussergewöhnlich war die Präsenz von Nuntius Diego Causero als Festzelebrant und von 35 Schwestern und Brüdern aus anderen Klöstern als Gäste.

Anlässlich des Jubiläumsjahres unseres Klosters wurden diesmal speziell Ordensleute eingeladen, mit uns dieses Wallfahrtsfest zu feiern. Eine schöne Zahl von Schwestern und Brüder aus verschiedenen Gemeinschaften folgte der Einladung. Und so war es eine Freude, dieses schöne Fest mit «erweiterter» Gemeinschaft zu begehen. Natürlich auch noch zusammen mit vielen weiteren Gläubigen. Und mit der Ehre, dass der Schweizer Nuntius vorstand.

Konkret hiess dies, dass sich beim Einzug in die Klosterkirche ein schönes Bild mit vielen Priestern, Brüdern und Klosterfrauen bot, dass der Altarraum unserer Gemeinschaft dicht gefüllt war mit Ordensleuten und dass auch die später folgende Festprozession mit Musik, Fahnen und Marienstatuen durch die «Geschwister» ergänzt wurde. Möglichkeit zum Gespräch gab es dann besonders beim Mittagessen und erneute Verbundenheit im Gebet während der eindrücklichen gemeinsamen Vesper mit Salve Regina. Teilweise noch gefolgt von einer Klosterführung.

Es war eine schöne Erfahrung von Verbundenheit und Gemeinschaft über die Klostergrenzen hinaus. Es ist eine Vielfalt, man ist auch unterschiedlich, hat andere Quellen: Pater Clau Lombriser, ein aus unserer Region stammender Dominikaner, liess in seiner Festpredigt etwa seine Prägung durch den Heiligen Dominikus spüren. Es war allgemein interessant, von anderen Realitäten zu erfahren: Männer- und Frauenklöster, andere Orden, andere Häuser mit anderen Aufgaben, Konstellationen, Umgebungen – ähnlich und doch anders.

Es ist die selbe Berufung, und dies verbindet. Es verwirklicht sich aber auf staunenswert unterschiedliche Weise: aktiver oder kontemplativer, in Seelsorge, Diakonie oder Bildung, eher handwerklich oder eher intellektuell, usw. Alle versuchen, Christus in der Berufung des Gott geweihten Lebens nachzufolgen. Der Leib Christi hat viele verschiedene Glieder.

Dienstag, 2. September 2014, 19:20



12.07.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Schönster Schweizer Fussballplatz   

Darüber wollte ich schon länger einmal schreiben. Nun passt es gerade gut. Ich habe vor dem Klostereintritt gerne Fussball gespielt. Und jetzt gibt es immer noch Gelegenheit dazu: es hat auf dem Klosterareal einen super schönen Fussballplatz. Vielleicht der schönste Fussballplatz der Schweiz?

Natürlich gibt es qualitativ bessere Rasen. Aber die Aussicht ist hervorragend. Der Platz ist erhöht oberhalb vom Kloster in den Hang hinein gebaut. Während man dem Leder nachrennt, hat man Blick aufs Oberländer Bergpanorama: Die Flanken des sich eröffnenden Medelser Tals zum Lukmanierpass, schneebedeckte Berggipfel, eine wohltuende Weite. Spuren der Zivilisation verschwinden nahezu, zu sehen sind noch die klösterlichen Kirchturmspitzen, zu atmen gibt es frische Bergluft.

Um genau zu sein gehört der Platz dem Gymnasium Kloster Disentis. Somit kommen vor allem unsere Schülerinnen und Schüler in den Genuss dieser Anlage (ich hoffe dass sie den Genuss erkennen). Und hie und da spielen auch wir, junge Mönche, je nach dem mit Gästen, Jugendlichen, etc.  Die Schule ist unsere Aufgabe, unser «Apostolat», und das bringt auch solche Begebenheiten wie den «schönsten» Schweizer Fussballplatz mit sich.

Ich wusste bei meinem Klostereintritt nicht so recht, wie viel Sport ich zukünftig würde ausüben können. Zuvor hatte ich das gerne und regelmässig gemacht. Es war klar, dass unter Umständen ein wenig Verzicht anstand, aber das war in Ordnung. Als Christen haben wir ja die wunderbare Verheissung von Christus an die Jünger, dass man verschiedene Dinge, die man für ihn aufgibt, von ihm auf verschiedene Weise «hundertfach zurückerhält» (Markusevangelium 10,28). Beim Thema Fussball ist das also ein Stück weit real in Erfüllung gegangen. Und auch sonst hat Sport im Klosteralltag seinen Platz. Wer möchte, kann sich regelmässig sportlich betätigen und zum Beispiel joggen oder Rad fahren gehen.

So könnte ja auch die Schweizer Nationalmannschaft einmal einen Trainingsausflug zu uns machen. Ich glaube punkto Schönheit muss sich der Platz nicht vor Feusisberg verstecken. Aber die Spieler könnten gleich noch ein feines Stück Bündner Nusstorte essen. Und eine Kerze anzünden gehen bei der «Mutter der Barmherzigkeit» in der Marienkirche.

Samstag, 12. Juli 2014, 15:16



06.06.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

jung, gläubig, fröhlich, innig   

Kennen Sie den Weltjugendtag? Da durfte ich vor einiger Zeit eine tolle Kirchenerfahrung machen. 800 junge Gläubige von 16 bis 35 Jahren trafen sich in der Pfarrei St. Martin Schwyz zu einem tollen und tiefgehenden Fest des Glaubens: Lebensfreudige junge Menschen, welche ein Wochenende freiwillig und intensiv der Suche nach Gott, nach Antworten und nach der Freude aus der Begegnung mit Jesus Christus widmeten.

Es war eine Art «Festival» ab Freitagabend, sehr jugendgerecht gemacht. Ein Hauptredner gab regelmässige Vorträge: Pater Agostino Torres von der franziskanischen Gemeinschaft der «Bronx Brothers» von New York. Spürbar erfahren mit der Jugendkultur, mit gewissem schauspielerischen Talent, aber auch mit grossem Tiefgang. Seine einfachen, klaren Worte konnten die Herzen berühren. Am Samstag gab es Workshops: etwa «Love in Action» – inspiriert von Mutter Teresa über Taten der Nächstenliebe im eigenen Umfeld nachdenken. Oder «Chant» – Gregorianik mit jungen Einsiedler Mönchen. Daneben feierliche grosse Liturgien, moderne Lobpreis-Gebetszeiten, Konzerte christlicher Musiker, … Und vor allem: eine Kirche voll junger, ernsthaft beteiligter Menschen.

Etwas Eindrückliches waren für mich die Gastfamilien: wie immer durfte ein Grossteil der jungen Teilnehmer so logieren – über 100 Familien waren es. Ich denke, dass wohl viele der Gastgeber aus der Pfarrei Schwyz und Umgebung ihren Augen nicht ganz trauten, was sie diese Tage teilweise erlebten. Ungewöhnliche, fröhliche Gäste. Oder die feierliche sonntägliche Heilige Messe, wo die stattliche Martinskirche auf den letzten Platz dicht gefüllt war. Sicher wurden auch diesmal wieder Gäste wie Gastgeber reich voneinander beschenkt.

Ausserdem beeindruckte mich das grosse Engagement der mehrheitlich ehrenamtlichen jungen Organisatoren. Sie legten sich enorm ins Zeug, schon weit im Voraus, um ein ganz tolles Programm zu bieten, so dass eine intensive Glaubens- und Kirchenerfahrung möglich wurde. Auch Bischöfe, kirchliche Mitarbeiter, Priester und Klosterfrauen waren da. Es war für mich eine neue, schöne Erfahrung, als Ordensmann den Anlass zu begleiten, mitzubeten, einfach da zu sein. Ich bin selber «Kind des Weltjugendtages» – diese waren für mich früher immer enorm wichtig und bestärkend.

Pfarrer Reto Müller formulierte es zum Abschluss treffend: Er dankte den jungen Gläubigen für die Lebendigkeit, welche sie nach Schwyz gebracht hatten – aber ganz besonders für die Innigkeit.

Freitag, 6. Juni 2014, 09:18



09.04.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Im Mönchsaustausch   

Zur Zeit bin ich zu Besuch bei den Mitbrüdern vom Kloster Einsiedeln. Ich mache für sechs Wochen ein Praktikum an ihrer Stiftsschule, im Rahmen meiner Gymnasiallehrer-Ausbildung. Am Gymnasium gebe und hospitiere ich also Biologieunterricht und wohne und bete im Kloster und teile ihr Gemeinschaftsleben. Es ist eine schöne Gelegenheit, dieses Kloster und die Gemeinschaft besser kennenzulernen – von früher kenne ich Einsiedeln einfach als Pilger zur Muttergottes von Einsiedeln.

Benediktinerklöster sind ziemlich unabhängig voneinander. Ein Benediktinermönch ist ortsgebunden: dies ist die bekannte «stabilitas loci», die örtliche Beständigkeit. Man entscheidet sich für ein bestimmtes Kloster und bleibt das Leben lang dort. «Stabilitas» steht in mehrfacher Bedeutung für Treue, Ausdauer und Beharrlichkeit: «Wacht und betet allezeit» (Lk 21,36). Anders ist es etwa bei Jesuiten, Dominikanern oder Franziskanern: Sie zeichnen sich gerade eher durch ihre Bereitschaft aus, Einsatzorte zu wechseln. Auch das ist eine christliche Haltung: «Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann» (Lk 9,58).

Wie jeder Neuling oder Gast musste ich mich zuerst auch in den alltäglichen Abläufen zurecht finden: Zeitplan, Örtlichkeiten, Gebetsbücher, Gebetsformeln, Verhaltensregeln, etc. Aber vieles war vertraut, ähnlich und mit «Vorwissen» schnell verständlich. Eine kurze, freundliche Einführung eines Mitbruders und später ein, zwei Nachfragen – et voilà. Es ist eben doch dieselbe Kirche, derselbe Orden, dieselbe Spiritualität. Eine schöne Erfahrung.

Jeder Ort hat lokale Eigenheiten. Das abendliche Vespergebet ist hier lateinisch – es gefällt mir. Die Gemeinschaft von Einsiedeln ist deutlich grösser als meine eigene. Und was die Aufgaben angeht, führen beide Klöster ein Gymnasium, aber Einsiedeln ist auch grösster Schweizer Wallfahrtsort, und so sind die Gottesdienstzeiten noch stärker an die Bedürfnisse der Pilger angepasst. Und täglich nach der Vesper gibt es hier eine schöne Prozession mit feierlichem «Salve Regina» bei der Gnadenkapelle. 

Bald ist mein Einsiedler Aufenthalt vorbei. Zumindest die jüngeren Brüder werde ich aber im Rahmen von gemeinsamen Ausbildungskursen oder in der jährlichen «Junioratswoche» wieder antreffen.

Mittwoch, 9. April 2014, 08:35



20.03.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 1 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Fastenzeit und Jubeljahr   

Wir sind in die Fastenzeit eingetaucht. Ähnlich wie im Advent verzichten die Gebetszeiten wieder alle auf die Orgel, gibt es bei Tisch durchgehend Tischlesung ohne Ausnahme des Sonntags, sind verschiedene Mahlzeiten einfacher und ausserdem überlegt sich jeder Einzelne selber, was er sich an Bemühungen vornehmen will. Seien es Verzichte beim Essen und Trinken, zusätzliche Gebete oder spezielle Werke der Nächstenliebe. Es geht nach den Worten des Heiligen Benedikt darum, «in diesen heiligen Tagen die Nachlässigkeiten anderer Zeiten zu tilgen» (Benediktsregel 49,3).

Unsere Gemeinschaft startet diese Tage aber auch in ein «Jubeljahr»: 1400 Jahre «Ursprung» werden gefeiert. Aufs Jahr genau lässt es sich nicht festhalten, die Jahreszahl 614 ist legendär, die Grössenordnung stimmt aber. Eine ehrwürdige Zeitdauer. Hunderte von Mönchen haben in diesen Jahrhunderten das Kloster belebt, «unter Regel und Abt»: Alleine 66 Äbte waren es, die das Kloster mit Gottes Hilfe durch eine bewegte Zeit lotsten. Es erfüllt mich mit Respekt und Staunen. Die nächste «NZZ am Sonntag» wird in einer Sonderbeilage über unser Jubiläum berichten.

Das Klosterjubiläum wird als Chance angesehen für den Blick in Gegenwart und Zukunft, unter dem Motto «stabilitas in progressu», Beständigkeit im Voranschreiten. Kloster und Marienwallfahrtsort werden für Pilger und interessierte Besucher einladender gemacht mit baulichen Massnahmen, einem Pilgercafé und weiteren Bemühungen rund um die menschliche und geistliche Betreuung. Die Spendensammlung zur Renovierung unserer schönen Barockkirche wird starten. Und es gibt tolle Programmpunkte in Gemeinschaft mit Einheimischen, Abgängern des Klostergymnasiums, Gläubigen und Interessierten aller Art (vgl. Jubiläumsprogramm). An «St. Plazi» (6. Juli) dürfen wir Kardinal Kurt Koch begrüssen, im Oktober (25./26.) Abtprimas Notker Wolf.

Nach den Worten Jesu im Evangelium und den Texten vieler Heiliger sind wir Christen ja hoffnungsvoll in die Zukunft ausgerichtet: «Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt» (Philipperbrief 3,13-14). Ich freue mich, beizutragen zu versuchen dass Glaube, Gebet und die klösterliche Gottsuche an diesem Ort lebendig, anziehend und für Kirche und Menschen fruchtbar bleiben. «Die Kirche lebt und sie ist jung» (Papst Benedikt).

Donnerstag, 20. März 2014, 08:31



26.02.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 1 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Adieu Altersheim   

Vor Kurzem sind 25 sympathische Seniorinnen und Senioren wieder aus unserem Klostergebäude ausgezogen, nachdem sie  für fast zwei Jahre unsere «Mitbewohner» waren. Sie sind, mit Pflege- und Administrations-Personal, wieder zurückgekehrt ins frisch renovierte Dorfpflegeheim. Für die Dauer des Umbaus hatten sie als Provisorium einen freistehenden, separaten Teil des Klosters bezogen. Ein spannendes Projekt mit ungewöhnlichen Gastgebern und ungewöhnlichen Gästen: «Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus» (Benediktsregel 53,1).

Als der Bezug des Klosters vor zwei Jahren bevorstand, wussten die betagten Männer und Frauen teilweise nicht so recht, wie das wohl werden würde, wenn sie plötzlich bei den «Paders» am Hang oben einquartiert wären. Ein Gedanke, auf den sie vorher wohl nie gekommen wären, auch wenn es sich bei vielen von ihnen um fromme, mit dem Kloster und Marienheiligtum verbundene Einheimische handelte. Eine «Cuntrasts»-Sendung des Romanischen Fernsehen dokumentierte dies schön. Nachdem der Umzug vollzogen war, wurde es jedoch schnell alltäglicher – und man merkte beidseitig, dass es eigentlich ganz gut funktionierte und viel Schönes bot.

Man sah und grüsste sich freundlich in den Gängen, wo es Berührungspunkte gab. Hie und da feierten wir gemeinsame Anlässe, welche immer sehr schön und sympathisch waren, wie am 1. August und am Stefanstag. Natürlich kamen auch Verwandte und Bekannte regelmässig zu Besuch und somit hinter die Klostermauern, so dass der betroffene Bereich deutlich öffentlicher wurde. An speziellen Klosterfeiertagen war es für die Pensionäre eine günstige Ausgangslage, feierliche Prozessionen oder Höhepunkte wie die Abtsbenediktion trotz körperlichen Einschränkungen aus bester Nähe mitverfolgen zu können. Und natürlich gab es auch noch den täglichen Rosenkranz und regelmässige Heilige Messen für sie und ihre Angehörigen bei der «Nossadunna» in der Marienkirche.

Vor dem Abschied trafen sich Gäste und Gastgeber zu einem letzten gemeinsamen Apéro. Die Gefühle waren gemischt: Vorfreude auf ganz neue, moderne Räumlichkeiten. Abschied von Kloster, Mönchen und den schönen Andachtszeiten. Abschied von unseren Gästen, welche uns durch ihre Anwesenheit auch immer wieder auf verschiedene Weise beschenkt hatten: «…Christus, der in Wahrheit aufgenommen wird» (Benediktsregel 53,7).

Mittwoch, 26. Februar 2014, 10:13



10.02.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 1 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Emprender romontsch   

Per ina ga hai jeu patertgau che pudess era scriver in pèr plaids sin romontsch. Il romontsch ei veramein in bi lungatg che plai a mi. Jeu hai in bun professur alla claustra, mo sto aunc haver diligenza e perseveranza per meglierar. Vuless scriver specials salids a tuts lecturs romontschs!

Soweit ein Gruss an Bündner Oberländer Leser. Falls ich in nächster Zeit häufiger auf Rätoromanisch angesprochen werde, ist das eine gute Übung. Denn für die meisten Neueintretenden unseres Klosters gehört in den ersten Jahren auch ein gewisses Erlernen der rätoromanischen Sprache dazu. Manche Brüder verstehen Grundlagen, andere können sich gut verständigen, etwa auch in der Seelsorge. Und so erhielt ich ebenfalls, vor allem während dem Noviziat, regelmässig Unterricht im «romontsch sursilvan» bei Abt Vigeli, einem der beiden Mönche mit Muttersprache Rätoromanisch.

Früher hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal diese Sprache lernen würde. Aber mittlerweile scheint es mir passend. Es ist hier die Sprache Nummer eins. Obwohl die Einheimischen meist auch gut Deutsch sprechen können, ist es etwas Anderes, ihre Muttersprache zu teilen. Unsere Gottesdienste und Gebete im Kloster sind auf Deutsch. Ausnahmen gibt es aber zum Beispiel bei Maiandachten, die wir zusammen mit der Pfarrei feiern. Am Klostergymnasium ist die Unterrichtssprache Deutsch, aber durch die vielen einheimischen Schülerinnen und Schülern ist Romanisch auch sehr präsent.

Ein Benediktinerkloster hat nach der Anleitung des Heiligen Benedikt einerseits eine hohe Eigenständigkeit und Zurückgezogenheit: «Das Kloster soll so angelegt werden, dass sich, wenn möglich, alles Notwendige innerhalb des Klosters befindet» (Benediktsregel 66,6). Wir haben eine abgetrennte, stille Klausur und pflegen das Gebet als unseren vorrangigen Auftrag. Aber wir haben auch unsere Arbeiten, Aufgaben und Vernetzungen, welche an diesem Ort, mit diesen Menschen und in ihrer Sprache stattfinden.

Vom zweiten Mitbruder mit rätoromanischer Muttersprache, Bruder Luzi, habe ich auch schon viele Wörter gelernt. Schnell habe ich allerdings bemerkt, dass ich nicht immer alles ungefiltert anwenden kann. Weil er manchmal ein kräftiges Vokabular hat, schlage ich neue Wörter zur Sicherheit im Wörterbuch nach. Aber ich lerne von ihm auch gute Wörter oder Gebete und den «Rosari».

Ludaus sei Jesus Christus.

Montag, 10. Februar 2014, 21:15



27.01.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 1 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Gut organisierte Wochendienste   

Ein Benediktinerkloster ist gut organisiert. Es gibt verschiedene «Ämtli». Also Dienste, die für eine Woche lang übernommen werden und dann an einen nächsten Bruder übergehen. Diese Dienste sind schon in der Benediktsregel grundgelegt – der Heilige Benedikt hatte einen klaren Blick auch für die praktischen Anforderungen des klösterlichen Zusammenlebens.

Einerseits gibt es die Dienste in der Liturgie. Die Cantoren haben die Aufgabe, in der Vigil am Morgen den Startvers der Psalmen vorzusprechen, worauf alle Anderen einstimmen können. Ausserdem lesen sie einen Psalm vor, der nicht von allen miteinander gebetet wird. Daneben gibt es den Versikular: Er liest den allerersten Psalm des Tages vor, um 5:30, das sogenannte Invitatorium, das ist der Eröffnungspsalm. Dann trägt er zwischen den Psalmen eine Bibellesung vor und hat kleine Zwischenverse zu sprechen. Schliesslich gibt es noch den «Wochner», das ist der Priester, welche für eine Woche lang die Schlussgebete und Segensbitten übernimmt und den Gottesdiensten vorsteht.

Andererseits gibt es wechselnde Dienste im Haus. Die sogenannten Tischdiener holen bei den Mahlzeiten die Platten in der Küche, bringen sie auf einem kleinen Wagen in den Speisesaal und verteilen sie. Am Schluss der Mahlzeit sammeln sie Platten und Geschirr ein. Gleichzeitig sitzt der Tischleser in seiner Nische mit Mikrofon und liest die aktuelle Tischlektüre vor. Wer diese Dienste hat, isst im Anschluss an die Anderen. Die Zubereitung des Frühstücks muss ebenfalls geregelt sein – hier ist es eine fixe Einteilung pro Wochentag, wer früher aufsteht, die Getränke erwärmt und die Zutaten fürs Frühstück auf die vorbereiteten Tische stellt.

Die gute Organisation erleichtert das Zusammenleben und erübrigt viele Fragen. Besonders in einer grösseren Gemeinschaft und bei begrenzter Gesprächszeit ist das sicher wichtig. Es bewahrt vor Konflikten und sichert den Frieden. Für den Anfänger sind die Dienste teilweise etwas kompliziert. Aber umso eingespielter verläuft es, sobald sich eine gewisse Routine eingestellt hat. Am Sonntag gibt es ein kleines Gebet zum Dienstantritt und dasselbe am Samstag bei Dienstende. Mit der Formel «O Gott, komm mir zu Hilfe» bittet man im Speisesaal um den Segen, den Mitbrüdern mit der Aufgabe einen guten Dienst erweisen zu können. 

Montag, 27. Januar 2014, 15:13



08.01.2014 | Blog: Br. Paul Tobler | Autor/in: Br. Paul Tobler | Kategorie: Allgemein | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Feiertage   

Ja, nun ist sie also wieder erwacht, unsere Orgel, und hat unsere Weihnachtstage bereichert. Zur Ehre Gottes: «Damit in allem Gott verherrlicht werde» (Benediktsregel 57,9). Die acht intensiven Weihnachtstage der Weihnachtsoktav sind nun vorbei, der Alltag hat wieder begonnen. Kirchlich-liturgisch wird deswegen aber immer noch nicht völlig auf «Normalstatus» geschaltet, sondern die Weihnachtszeit dauert in ruhigerem Stil noch weiter bis am nächsten Sonntag, dem Fest «Taufe des Herrn».

Feiertage werden bei uns gebührend gefeiert. Man spürt den Festcharakter des Tages in unterschiedlichen Bereichen. Einerseits natürlich in den Gebetszeiten und in der Heiligen Messe: In den Gebetszeiten besteht die Psalmenauswahl aus festlichen, freudigen Psalmen, nicht etwa aus Klagepsalmen. In der Heiligen Messe zeigt sich das Fest durch die Art und Weise der Gesänge, die Musik, schöne liturgische Gewändern, den Einsatz von Weihrauch, die grössere Anzahl Ministranten, den zusätzliche Gesang des lateinischen «Gloria», den festlichen Teppich, etc.

Bei den Mahlzeiten halten wir an Feiertagen nicht das übliche Schweigen und Zuhören auf die vorgetragene Tischlesung, sondern können uns mit den Tischnachbarn unterhalten. Es gibt etwas Gutes zu essen und zu trinken. Es gibt ein Dessert, welches oft aus Bruder Gerhards Backstube kommt, wo auch beliebte und bekannte Nusstorten gemacht werden. Nach dem Essen halten wir eine gemeinsame gemütliche Kaffeerunde. Dann gibt es auch freie Zeit, welche zum Beispiel für Spaziergänge, Sport, Lesen, Siesta, telefonieren oder Gebet benutzt wird.

Durch die verschiedenen Ausprägungen des Festcharakters wird der Feiertag sinnlich und umfassend spürbar und gewürdigt. Er spricht den ganzen Menschen an. An Weihnachten feierten wir ja auch gerade das unglaubliche Geheimnis, dass Gott in Jesus Christus ganz Mensch wurde, mit allem was dazu gehört.

Zwischen den Feiertagen gibt es noch Unterschiede in der Feierlichkeit, und Weihnachten gehört natürlich in die oberste Kategorie. Das bedeutet unter Anderem: Der Abt als Vorsteher des Gottesdienstes, viele Ministranten, feierlicher Einzug aller Mönche, Zopf und Honig zum Frühstück. Die Heilige Teresa von Avila meinte zum sinnlichen Wechsel von Fest-, alltäglichen und Fastenzeiten: «Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn.»

Mittwoch, 8. Januar 2014, 10:03