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27.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Nochmals Geranien und Minarette (und die Rösti)   

Der SVP-Nationalrat Andreas Glarner hatte vorgeschlagen, um die Schweiz einen Stachdrahtzaun zu bauen. Abgesehen von der faktischen Unmöglichkeit und dem fehlenden Nutzen (die meisten Flüchtlinge kommen nicht über die grüne Grenze) ist der Vorschlag nicht hilfreich. Dazu die Fortsetzung der Glosse von Matthias Zehnder (vgl. Blog von vorgestern):

Das Fremde hat gerade der kleinen Schweiz immer wieder wichtige Impulse gegeben. Man könnte auch sagen: So lange das Fremde fremd ist, kommt der Stacheldraht zum Zug. Hat sich das Fremde einmal eingebürgert, greift der Schweizer gern zum Gewächshaus. Überraschend daran ist bloss, dass sich die Schweizerinnen und Schweizer immer wieder einreden, es liege am Gegenstand, welches Modell zum Tragen komme. Doch die Fremdheit beschreibt nicht den Gegenstand, sondern unser Verhältnis dazu. Das ist vielleicht auch der Grund dafür, warum Flüchtlinge besonders in jenen Gegenden auf Ablehnung stossen, in denen es keine hat. Für Menschen, die die Fremden kennenlernen, sind die Fremden eben nicht mehr fremd. Deshalb sind sie auch bereit, den Stacheldraht links liegen zu lassen und zum Modell Geranium zu greifen.

Indem er verhindert, dass seine Gemeinde Oberwil-Lieli Flüchtlinge aufnimmt, verhindert Andreas Glarner, dass aus fremden Flüchtlingen hilfsbedürftige Menschen werden – er verhindert quasi die Verwandlung von Minaretten in Geranien.

In einem Punkt ist das Bild einer mit Stacheldraht umzäunten Schweiz, das Andreas Glarner in die Welt gesetzt hat, ungewollt zutreffend: Dieser Stacheldraht richtet sich nicht nur gegen aussen, sondern auch gegen innen. Stacheldraht wird in Gefängnissen eingesetzt und in Konzentrationslagern. Andreas Glarner macht mit seinem Stacheldraht die Schweiz geistig zu jenem Gefängnis, vor dem Friedrich Dürrenmatt in seiner Rede auf Vaclav Havel 1990 warnte.

Wie bringen wir also den Stacheldraht wieder aus unseren Köpfen, wie verhindern wir die Schweiz als Gefängnis? Denken Sie ans Geranium. Und daran, dass «fremd» nie die Menschen selbst beschreibt, sondern nur unser Verhältnis zu ihnen. «fremd» ist eigentlich Selbstbeschreibung. Deshalb: denken Sie ans Geranium. Oder an die Kartoffel. Denn auch Rösti ist das Resultat einer gelungenen Integration.

 

Freitag, 27. Mai 2016, 01:00



26.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Jüdische Terroristen werden verfolgt – und mit Frauengesängen «gefoltert»   

Endlich werden in Israel die Anschläge jüdischer Siedler vom Staat befolgt. Lange Zeit hat die Regierung überdies geleugnet, dass es auch jüdischen Terrorismus gibt.

Der Siedlerterror ist zu einem grossen Teil gegen die Christen gerichtet. Ein Beispiel ist der Brandanschlag auf das Kloster Tabgha am See Genesareth, wo der Überlieferung nach die Brotvermehrung Jesu stattgefunden hat. Übrigens: Der Anschlag hat mich besonders betroffen gemacht, da ich vor Jahren einige Tage dort. Wegen Mangel an Priestern wurde ich eines Tages gebeten, die Abendmesse zu halten, ausgerechnet am Tag, an dem das Evangelium von der Brotvermehrung gelesen wurde …  

Leider hat die israelische Regierung bei der Ankündigung der Strafverfolgungen auch mitgeteilt, «besondere Verhörmethoden» seien möglich. Was Folter meint. Einer der verdächtigten Siedler musste darum singenden Frauen zuhören, was für fromme Juden nicht erlaubt ist! Diese «Folter» hatte Wirkungen. Der Mann hat gestanden.

Donnerstag, 26. Mai 2016, 01:06



25.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Geranien ja, Minarette nein   

Sie gelten als Symbole für eine urtümliche, gemütliche, «bhäbige» Schweiz: die Geranien. Doch sie sind eigentlich Fremde, da aus Südafrika eingeführt. Sie wurden aber «eingebürgert». Andere Dinge, die fremd sind, werden dagegen abgelehnt, zum Beispiel Minarette. Dazu eine lesenswerte Glosse des Schweizer Journalisten Matthias Zehnder (gekürzt):

Das Fremde. Die Schweiz hat in den letzten Jahrhunderten zwei Modelle entwickelt wie sie mit Fremdem umgeht: das Modell Geranium und das Modell Minarett. Das Geranium gehört zur Schweiz wie Alphorn und Käse. Die oft zündroten Blüten schmücken jedes rechte Bauernhaus und blühen üppig das ganze Jahr. Bloss: Das Geranium ist ein Immigrant. Unsere Nationalblume kommt aus Südafrika. 1672 brachte die Niederländische Ostindien-Kompagnie die Wildpflanze nach Europa. Balkone und Fenstersimse hat die Blume sogar erst Anfang 20. Jahrhundert erobert. Dennoch empfinden die Schweizer das Geranium als so urschweizerisch wie den Käse (eine griechische Erfindung, übrigens). Das Geranium ist also ein Beispiel für eine gelungene Integration. Dieser Geschichte des Geraniums widmet sich derzeit eine Ausstellung im Alpinen Museum Bern.

Ganz anders ist es dem Minarett ergangen. Obwohl es in der Schweiz bislang nur gerade vier Minarette gibt, haben die Schweizer 2009 einer Volksinitiative zugestimmt, die den Bau von Minaretten verbietet. Das Minarett wurde von den Befürwortern der Initiative als Symbol für eine Bedrohung durch den Islam wahrgenommen. Das Minarett stand stellvertretend für den fremden Glauben der fremden Menschen. Das Minarettverbot bringt im Bild zum Ausdruck, was die AfD an ihrem Parteitag diese Woche in Deutschland beschlossen hat: Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Schweizer Rechtspolitiker würden dieser Aussage in Bezug auf die Schweiz sicher zustimmen. (…)

Modell Geranium oder Modell Minarett – Gewächshaus oder Stacheldraht. Das sind die beiden Grundmechanismen, wie die Schweiz mit Fremdem umgeht. Basel ist mit dem Modell Geranium gut gefahren. So haben nach Basel geflüchtete Hugenotten im 17. Jahrhundert die Seidenbandweberei nach Basel gebracht. Daraus ist die Färbtechnik, die Chemie und schliesslich die pharmazeutische Industrie entstanden. Ohne Glaubensflüchtlinge wäre Basel heute arm dran.

Fortsetzung folgt

Mittwoch, 25. Mai 2016, 01:52



24.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 1 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Neue Energien: beschämende Bilanz der Schweiz. – Sowie: Ab in die Ferien!!   

Vorbemerkung: Morgen verreise ich nach Kreta, wiederum als Tourist und Touristenseelsorger. Trotzdem müsst ihr in den kommenden drei Wochen meine Blogs nicht vermissen. Ich habe sie vorproduziert – und hoffe, sie wirken nicht wie Konserven…..  -

Die Schweiz war mal stolz, eines der besten Länder betr. Umweltschutz zu sein. Heute müsste sie sich eher schämen, wenn man auf ihre spärliche Produktion erneuerbarer Energien blickt. Dazu eine Meldung des Schweizerischen Energiestiftung SES:

«Die Schweiz schneidet bei der pro Kopf-Produktion von Strom aus Sonne und Wind schlecht ab. Sie liegt im Vergleich mit umliegenden europäischen Ländern auf dem letzten Platz.

Auch im gesamteuropäischen Kontext steht die Schweiz nicht besser da: Nur gerade Slowenien, die Slowakei, Ungarn und Lettland produzieren noch weniger Strom aus Solar- und Windkraft. Immerhin einen Rang hat die Schweiz seit 2014 wettgemacht. Im gesamteuropäischen Ranking steht die Schweiz damit auf Rang 25 von 29.»

Ein nicht gerade berauschender Befund! Schuld daran sie die (bürgerlichen!) Politiker, deren Mehrheit den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie hemmt:

«Die Finanzierung für zahlreiche Solar- und Windkraftwerke ist blockiert. Auf der Warteliste für die kostendeckende Einspeisevergütung KEV warten mehr als 37'000 Projekte auf ihre Realisierung. Diese könnten jährlich insgesamt über drei Terawattstunden Strom produzieren. Damit wäre die Jahresproduktion des AKW Beznau 1, welches aktuell wegen Sicherheitsbe-denken vom Netz ist, bereits ersetzt.»

 

Dienstag, 24. Mai 2016, 01:29



23.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 2 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Nur 1 christl. Vertreter an der NEAT-Eröffnung: Skandal oder Chance?   

Es sei ein Skandal, dass bei der Eröffnung der Neat-Strecke nur 1 – katholischer! – Mensch die christliche Religion vertritt, meinen einige Reformierte. Andere sehen es als Chance, dass die konfessionelle Trennung bei diesem Anlass nicht sichtbar wird.

Vielleicht hilft ein Wort des protestantischen ostdeutschen Bürgerrechtlers Friedrich Schorlemmer weiter: «In Zeiten religiöser Versteppung müssen wir unsere Kräfte zusammentun und zeigen: Hier sind wir.» (Interview in der ZEIT)

Montag, 23. Mai 2016, 01:29



21.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Predigtauszüge | Kommentare: 7 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Dreifaltigkeit: Annäherungen an Unerklärliches   

Dreifaltigkeit: Der Inhalt des heutigen Festes ist uns gleichzeitig ganz nah und vertraut; aber auch seltsam, unverständlich und  –sagen wir es – mysteriös.

Ja, die Vorstellung vom dreifaltigen Gott ist uns sehr vertraut: In jedem Kreuzeichen erinnern wir uns daran. Und wir alle wurde «im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Heiligen Geistes» auf den drei-einen Gott getauft – auch wenn die allermeisten sich nicht mehr daran erinnern …

So vertraut uns das Sprechen von der Dreifaltigkeit ist, so fremd bleibt ihr Inhalt. Man hat sie zum Beispiel durch die Gleichung «3 gleich 1» ausgedrückt. Aber sie ist erst recht paradox und leuchtet kaum ein.

Schliesslich müssen wir zugeben: Alles Reden über Gott ist menschliches Gestammel ist. Schon Thomas von Aquin, der allergrösste Theologe des Mittelalters, schrieb im Vorwort zu einem seiner Werke: «Der höchste Gipfel unserer Gotteserkenntnis liegt darin: zu wissen, dass Gott alles überragt, was wir von ihm denken können.»

Wir können Gott nicht erfassen. Oder wie es ein weiser Mensch ausgedrückt hat: «Wenn du meinst, Gott begriffen zu haben, dann ist es nicht Gott.»

Trotz allem: Wir müssen beim Versuch, die göttliche Dreifaltigkeit zu verstehen, nicht vollends kapitulieren. Denn der Zugang zu den drei göttlichen Personen wird erleichtert, wenn wir sie einzelnen anschauen und uns fragen: In welcher Beziehung stehen sie zu uns? Versuchen wir es also:

  • Gott der Vater hat die Welt erschaffen. Er hat uns als jeden einzelnen/jede einzelne als Person bejaht und angenommen.
  • In Jesus hat Gott uns sein Gesicht zugewandt.  Er ist so etwas wie die lebendige «Ikone Gottes» in der Welt. Zu Philippus konnte er im Johannes-Evangelium sagen: «Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.» Jesus Christus hat Gottes Liebe sozusagen handgreiflich erfahrbar werden lassen. Er hat nicht nur Kranke geheilt durch Handauflegung. Jesus hat uns auch gezeigt, dass Gott ein guter Vater ist – und wie viele in den letzten Jahrzehnten entdeckt haben – uns auch wie eine gute Mutter behandelt.
  • Jesus hatte seinen Jüngern und Jüngerinnen vor seinem Abschied versprochen, er werde sie nicht als Waisen zurücklassen. Als er nicht mehr sichtbar in der Welt war, hat er ihnen/hat er uns als «Helfer, Tröster und Beistand» den heiligen Geist gesandt der – wie es in einem liturgischen Text heisst – sein Werk auf Erden weiterführt.

Bleiben wir noch eine kurze Weile bei den Aussagen zum Heiligen Geist. Ich möchte jetzt nicht meine Pfingstpredigt wiederholen. Nur dies: Mit Karl Rahner, dem grossen deutschen Theologen, bin ich der Ansicht, dass der Geist Gottes mitten im Alltag erfahrbar ist, wenn beispielsweise ein Mensch seinen Egoismus überwindet; oder wenn jemand hofft, dass sein Leben sinnvoll ist, obwohl er viel Unsinn, viel Sinnloses erfährt.

Dies sind nur ganz wenige ganz kurze Annäherungen an das Geheimnis der Dreifaltigkeit. Sicher, der eine oder die andere möchte viel genauer wissen, was damit ausgedrückt ist. Da fällt mir ein lieber, recht origineller Mitbruder ein, der als Student mehrmals mit einem theologischen Problem zu einem Professor ging mit dem Auftrag: «Du musst mir in fünf Minuten erklären, wie das genau gemeint ist.»

Nein, kein Theologe auch der gescheiteste nicht, kann die Dreifaltigkeit ganz verstehen und genau definieren. Dies ist aber auch nicht nötig. Wir können trotzdem mit dem dreifaltigen Gott im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe verbunden bleiben.

Darum lasst uns in dieser Eucharistie danken

  • unserem Schöpfer
  • unserm Erlöser
  • danken auch dem Geist, der uns leitet und hilft, als Christen/Christinnen zu leben.

Rothenburg So. 10 Uhr; Kloster Gerlisberg, Luzern So 17 Uhr

Vorschau: In einer Woche werde ich bereits wieder in Rethymnon auf Kreta mit Touristen aus halb Europa mehrsprachige Gottesdienste feiern. Ich muss jeweils Kurzansprachen auf dt., engl., frz. und it. vorbereiten. – Rückkehr am 15. Juni. Auch i der Zwischenzeit gibt’s hier täglich neue Blogbeiträge.

Samstag, 21. Mai 2016, 19:38



21.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Das seltsame, aber notwendige Ja zum Asylgesetz   

In welch  seltsamen Zeiten leben wir? Die SVP hat es fertig gebracht, dass das Asylrecht bei jeder Revision immer mehr zu einem Asyl-Verhinderungsgesetz wurde. Auch bringt das am 5. Juni zur Abstimmung kommende Gesetz bringt Verschärfungen. Trotzdem: Die SVP ist dagegen, obwohl die von ihr tausendfach propagierte Verkürzung des Asylverfahrens ein zentrales Postulat ist. Nach dem Motto: «Wir sind immer dagegen – auch wenn andere unsere Vorschläge übernehmen.»

Zudem: Die Progessiven/Asylantenfreundlichen bejahen das Gesetz trotz Verschärfungen. Des Rätsels Lösung bringt die folgende Stellungahme der bischöflichen Kommission Justita et Pax.

 Die Notwendigkeit einer Neustrukturierung des Asylbereichs ist politisch unbestritten. Für die Schweizerische Nationalkommission Justitia et Pax überwiegen bei der vom Parlament verabschiedeten Änderung des Asylgesetzes die Vorteile. Die angestrebten kürzeren Verfahren zur Behandlung der Asylgesuche müssen aus ethischer Sicht von einer garantierten unentgeltlichen Rechtsberatung begleitet sein. Die kürzeren Beschwerdefristen sind für Asylsuchende, die mit unserem Rechtssystem nicht vertraut sind, eine zusätzliche Verschärfung in der Beurteilung ihres Asylanspruchs. Einen Asylantrag zu stellen, stellt ein Grundrecht dar und muss dementsprechend die Möglichkeit eines Widerspruchs auf ordentlichem rechtsstaatlichen Weg ermöglichen.

 Zentrales Ziel der Asylgesetzrevision ist es, die heute sehr lange Verfahrensdauer zu senken. In den meisten Fällen sind die Asylsuchenden während des Verfahrens heute quasi zur Untätigkeit gezwungen. Die Zeit bis zum Asylentscheid wird dadurch zu einer «verlorenen» Zeit. Die Zeit des ungewissen Wartens, in welcher es den betroffenen Personen nicht möglich ist, längerfristige Zukunftsperspektiven zu entwickeln, dauert heute teilweise mehrere Jahre. Weniger lange Verfahren bedeuten deshalb vor allem eine Verkürzung der Unsicherheit. Dies verbessert die Integrationschancen für jene, die einen positiven Entscheid erhalten, nachhaltig. Aber auch jene, die einen negativen Entscheid erhalten und die Schweiz wieder verlassen müssen, sind nicht zu einer jahrelangen Ungewissheit verdammt.

Eine Beschleunigung des Asylverfahrens setzt aber voraus, dass die Rechtstaatlichkeit und Qualität der Verfahren und damit die Fairness garantiert bleibt. Insbesondere die zum Teil sehr kurzen Beschwerdefristen sind aus ethischer Sicht problematisch, weil sie das Grundrecht auf Asyl beschneiden. Umso wichtiger ist die Einführung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung und Rechtsberatung. Im Asylverfahren geht es um existentielle Rechte der betroffenen Personen, den Schutz von Leib und Leben. Eine falsche Entscheidung kann fatale Folgen haben. Die Verfahren sind zudem komplex. Für Asylsuchende, die weder mit dem Rechtssystem der Schweiz noch meist mit der Sprache vertraut sind, ist es praktisch unmöglich, die Abläufe und Anforderungen hinreichend zu verstehen. Deshalb sind sie im Asylverfahren auf qualifizierten Rechtsschutz angewiesen.

 Die vorliegende Änderung des Asylrechts stellt aufgrund der sehr kurzen Beschwerdefristen eine weitere Verschärfung des Asylrechts dar. Insgesamt aber wiegt die Verkürzung der Asylverfahren mehr, weil sie für alle Beteiligten die Zeit der Ungewissheit verkürzt. Die Kommission Justitia et Pax plädiert deshalb für ein Ja zur vorgeschlagenen Änderung des Asylrechts.

Samstag, 21. Mai 2016, 00:23



20.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Rezensionen | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Papstschreiben über die Liebe als Taschenbuch   

Papst Franziskus: Amoris Laetitia. Freude an der Liebe. Das Papstdokument über Ehe, Familie, Sexualität. Herder 2016. ISBN ISBN/EAN978-3-451-06919-2. Taschenbuch 287 S., ca. Fr. 14.90…

Über die neueste Enzyklika von Papst Franziskus wurde schon sehr viel geschrieben. Doch wer hat schon den ganzen Text gelesen. Manche Interessierte wollten ihn nicht im Internet lesen. Sie haben gewartet, bis der Volltext in Buchform erschienen ist. Nun ist er da, bei Herder, der sich stolz «Papstverlag» nennt. Mitgeliefert wird auch die aufschlussreiche Hinführung von Christoph Kardinal Schönborn und eine erster Kommentar der drei deutschen Bischöfe, die an der Synode über das Thema Ehe, Sexualität und Familie teilgenommen haben.

Zitat:

Regionale Lösungen

Indem ich daran erinnere, dass die Zeit mehr wert ist als der Raum, möchte ich erneut darauf hinweisen, dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen. Selbstverständlich ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig; das ist aber kein Hindernis dafür, dass verschiedene Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen, die aus ihr gezogen werden, weiterbestehen. (…) Ausserdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. Denn » die Kulturen [sind] untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz […] muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll «.

Papst Franziskus: Amoris Laetitia. Freude an der Liebe. Nr. 3

Weitere Zitate über zentrale Aussagen des Papstschreibens folgen im Verlaufe der nächsten Wochen.

Freitag, 20. Mai 2016, 01:56



18.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Einladung ins Theater «Kloster zu verschenken»   

Kürzlich hatte ich ein tolles (kirchliches) Theatererlebnis: Ich sah das Stück «Kloster zu verschenken», ein Tournee-Theater zum 800-Jahr-Jubiläum des heiligen Dominikus. Die Premiere fand vor Pfingsten in iIanz statt. In den nächsten Wochen und Monaten ist das Stück an sehr vielen Orten der Schweiz zu sehen, u.a. auch in unserem Kloster in Luzern.

Ich war angefragt worden, ob wir unsere Räume zur Verfügung stellen. Wir sagten zu. Seither habe ich einiges an Organisation zu erledigen. Ein erstes Erfolgserlebnis hatte ich schon. Die Aufführung vom Sommeranfang, 21. Juni, war innert weniger Tage ausgebucht. Es gelang mir, eine Zusatzaufführung zu bekommen: Samstag, 18. Juni, 20 Uhr hier im Kloster Wesemlin. Schon liegen wieder zahlreiche Reservationen vor.

Darum: Rasch anmelden bei unserer Koordinatorin:

Annamarie Rüegg <annamarie.rueegg@kapuziner.org>

Eintritt frei; «Topfkollekte»

Weitere Angaben:

Das Theaterstück der Regisseurin Annette Windlin und des Autors Paul Steinmann beleuchtet die Geschichte des Ordens in einer Inszenierung, die den konkreten Aufführungsort, d.h. das einzelne Kloster mit seinen Innen- und Aussenräumen ins Zentrum des Geschehens stellt. Formal geht es dabei um eine Kloster-Führung einer Gruppe von Interessierten (das Publikum) durch eine Gruppe von Kloster-Verantwortlichen (SchauspielerInnen). An verschiedenen Orten in und ums Kloster wird dem Publikum die Geschichte des Ordens von seiner Gründung bis zum heutigen Zeitpunkt erzählend und spielend in Monologen, Dialogen und Szenen nahegebracht.

Ausgangspunkt ist die meist lange Tradition und Geschichte der Klostergemeinschaften, aber auch aktuelle Themen kommen zur Sprache. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben in Europa die Neueintritte abgenommen, auch in den Gemeinschaften des Dominikanerordens. Gibt es Wege in die Zukunft? Was soll mit den Klöstern geschehen?

 

Mittwoch, 18. Mai 2016, 20:39



18.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 1 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Prägnantes zum (Freuen)Priestertum   

Zum Priestermangel und zum Frauenpriestertum wurde zwar schon alles gesagt – aber noch nicht von allen gehört …. Zudem formuliert Paul M. Zulehner den Problembereich so prägnant wie kaum ein anderer. Darum geben wir ihm hier wieder einmal das Wort (aus einem pfingstlichen Interview.)

Handlungsbedarf sieht Zulehner beim Verständnis des Priesteramtes. Es sei ein «himmelschreiendes Unrecht der Kirchenleitung an den gläubigen Gemeinden, sie eucharistisch auszutrocknen». Eine «tiefe Wunde» hat laut Zulehner auch der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt geschlagen, «obwohl gar nicht wenige gläubige Frauen erzählen, dass sie sich einer Berufung zum Amt sicher sind». Das werfe die Frage auf: «Täuschen sich da diese gläubigen Frauen oder vielmehr eine gegen den Heiligen Geist resistente Kirchenleitung?» Zulehner wünscht sich eine Priestersynode, die diese Probleme anspricht.
Trotzdem zeichnet der Pastoraltheologe ein hoffnungsvolles Bild der künftigen Kirche, die von Gottes Geist gezielt umgestaltet werde. «Einerseits wird es starke lokale Glutkerne geben, die aus der Feier der Eucharistie leben und helfende Liebe im Nahbereich leben. Zugleich werden sich regional Engagierte aus diesen Glutkernen zu pastoralen Projekten zusammentun, bei denen es darum geht, das Evangelium kundig in die Entwicklung des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens einzuweben, durch Caritas, Bildung, Kunst und Kultur.»

Mittwoch, 18. Mai 2016, 01:24



17.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Wenn Tiere besser gehalten würden ...   

9 von 10 Deutschen sagen, sie seien bereit, mehr für das Essen zu bezahlen, wenn Tiere besser gehalten würden. (Quelle: FAZ). Für die Schweiz dürften die Zahlen ähnlich sein. Wenn sie stimmen, sind sie sehr erfreulich. Aber ziehen die Leute wirklich die Konsequenzen: die Fleischproduzenten, die Grossverteiler und Metzger, die Kunden und Kundinnen?

Eines der Hauptargumente, das mein kürzlich verstorbener Mitbruder Anton Rotzetter gegen den Fleischkonsum hatte, war die zu einem grossen Teil katastrophale Tierhaltung.

 

Dienstag, 17. Mai 2016, 00:55



16.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Varia | Kommentare: 0 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Umwelt-Tipp: Mitfahren (lassen)   

Die vorhandene Infrastruktur klug nutzen: Diesen Rat gibt die ZEIT  in ihrer Schweizer Ausgabe in einem Artikel über die Milchkuh(Initiative). Nämlich: «… indem man die einzelnen Autos besser besetzt.» Wenn ich auf einen Bus warten muss (und nicht gerade ein Buch oder eine Zeitschrift lese!), leiste ich mir den Spass, zu schauen, wie viele – wie wenige!!) in einem Auto sitzen. Ich staune immer wieder. Dazu die ZEIT:

«Die letzte Verkehrsbefragung des Bundes zeigt: Fährt ein Schweizer mit dem Auto zur Arbeit, sitzen darin lediglich statistische 1,12 Personen.

Die Share-Economy könnte Hilfe bieten. Unzählige Apps versuchen, Menschen, ihre Fahrzeuge und Transportwünsche miteinander zu vernetzen. Dank ihnen könnte mehr Platz auf den Strassen entstehen. Oder braucht es, wie der Verkehrsclub der Schweiz vorschlägt, eine Belohnung für jene, die nicht allein in ihren Kleinwagen unterwegs sind? Also die linke Autobahn-Spur für Fahrgemeinschaften vorbehalten, als eine neudeutsche Carpool-Lane».

Der Vorschlag hat wohl wenig Chance. Trotzdem kann jede/r anfangen: Jemanden zum Mitfahren einladen ….

Montag, 16. Mai 2016, 01:58



14.05.2016 | Blog: P. Walter Ludin | Autor/in: P. Walter Ludin | Kategorie: Predigtauszüge | Kommentare: 2 | Kommentar schreiben | Beitrag teilen

Wie der Pfingstgeist wirkt   

Hier mein Wort zu Pfingsten auf Radio Central:

Pfingsten ist ein beliebtes Fest – wegen dem freien Pfingstmontag. Aber sonst? Das christliche Fest, das heute gefeiert wird, ist nicht populär. Es gibt keine geschmückten Tannenbäume wie an Weihnachten, keine Schoggihasen wie an Ostern.

Sicher wissen viele noch, dass es an Pfingsten um den Heiligen Geist geht, der an dem Tag den ersten Christen in Jerusalem geschenkt worden ist. Aber dieser Geist Gottes ist nicht sichtbar. Er wird unter dem Symbol von der Taube dargestellt. Manchen Menschen sehen aber auf solchen Bildern bloss ein Federvieh.

Trotz allem: Den Geist Gottes sehen wir zwar nicht. Aber wir könnten spüren, was er tut. Er ist am Werk in den Herzen der Menschen. An einem deutschen Katholikentag habe ich gehört, wie Karl Rahner, wahrscheinlich einer der grössten Theologen vom 20. Jahrhundert, das Wirken vom Heiligen Geist erklärt hat. Es ist schon 30 Jahre her, aber ich erinnere mich noch gut an seine Beispiele von «konkreten Erfahrungen des Geistes mitten im banalen Alltag». Nämlich, dieser Geist wirkt, wenn

- jemand bereit ist zu verzeihen, obwohl es im Grunde unvernünftig erscheint

- wenn ein Mensch etwas für andere tut, obwohl er keinen eigenen Vorteil hat.

Und: der Geist Gottes wirkt, wenn jemand hofft, dass sein Leben sinnvoll ist, obwohl er viel Unsinn, viel Sinnloses erfahrt.

Karl Rahner hat sein Publikum eingeladen, im Alltag nach solchen Erfahrungen zu suchen. Ich lade Sie, liebe Zuhörende, dazu ein, jetzt das  mit mir zusammen  zu tun.

-       Sie kennen sicher Menschen, die schwer krank sind und dennoch nicht verzweifeln.

-       Und es gibt Eltern, Lehrer und Erzieherinnen, die ein schwieriges Kind oder einen schlimmen Jugendlichen nicht aufgeben und ihm immer wieder eine Chance geben, weil sie an seinen guten Kern glauben.

-       Und Sie kennen wahrscheinlich Fabrikbesitzer die in einer geschäftlichen Krise stecken und dennoch nicht leichtfertig Personal entlassen.

Wir alle, Sie und ich, könnten diese Liste noch lang weiterführen.  Der heilige Paulus würde bei diesen Beispielen sagen, dass diese Leute «hoffen gegen alle Hoffnung«. Er würde sicher wie Karl Rahner sagen: Die Kraft, die diese Menschen haben, ist ein Geschenk Gottes: eine Wirkung von seinem dynamischen Geist.

An Pfingsten und schon vorher beten die Gläubigen mit einem Satz, der schon über 2000 Jahre alt ist, nämlich: «Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu.»

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie nicht nur heute etwas von der pfingstlichen Kraft und Hoffnung spüren. In diesem Sinne: Frohe Pfingsten.

Samstag, 14. Mai 2016, 16:49